Zum Gedenken an Frau Dr. h.c. Anneliese Knoop-Graf
Aktualisiert (Freitag, den 08. April 2011 um 22:56 Uhr) Geschrieben von: mhs Dienstag, den 01. September 2009 um 16:05 Uhr
Anneliese Knoop-Graf ✟ 27.08.2009
Dr. h.c. Anneliese Knoop-Graf überschritt am vergangenen Donnerstag, 27.08.2009, nach kurzer Krankheit die Schwelle des Todes. Die jüngere Schwester des von den Nationalsozialisten hingerichteten Widerstandskämpfers Willi Graf hat Zeit ihres Lebens den Auftrag ihres Bruders mit Kopf und Herz eingelöst. Er lautete: weiterzutragen, was die Mitglieder der Weißen Rose begonnen hatten.
Noch Anfang des Jahres durften wir sie als Ehrengast und als eine der letzten Zeitzeuginnen des aktiven Widerstandes gegen das NS-Regime zur Eröffnung der Ausstellung „Die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!“ im Kreise unserer Schulgemeinschaft begrüßen. Damals hielt sie die Eröffnungsansprache, mit der sie uns alle tief beeindruckte.
Wir gedenken in Dankbarkeit Ihres Besuches und ihres Erdenwirkens.

Die Pädagogin, die mit ihrem Ehemann Bernhard Knoop das Landschulheim Marienau in Niedersachsen wieder aufbaute und es zu einem der führenden Internate in Deutschland machte, war seit der Gründung der Weiße Rose Stiftung e. V. in München 1987 deren stellvertretende Vorsitzende. Sie war Ehrendoktorin der Universität Karlsruhe und Ehrenbürgerin der Stadt Bühl.
1996 verlieh ihr der Ministerpräsident die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
Geboren am 30. Januar 1921 in Euskirchen wuchs sie als Tochter eines Kaufmanns mit ihrer katholischen Familie in Saarbrücken auf. Als Schwester von Willi Graf, selbst monatelang in Untersuchungshaft, war sie eine wichtige Zeitzeugin für den Widerstand gegen die NS-Diktatur. „Sie hat sich dem Vermächtnis ihres Bruders durch eine umfangreiche Publikations- und Vortragstätigkeit über die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gestellt und wurde so zur Mahnerin für Zivilcourage und Übernahme persönlicher Verantwortung in der Demokratie“, betont Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung e.V. Zu ihrem 80. Geburtstag 2001 dokumentierten und würdigten in einer Festschrift ihren bewundernswerten Einsatz Inge und Walter Jens, Hildegard Hamm-Brücher, Jürgen Reulecke, Peter Steinbach, Rudolf von Thadden und Johannes Tuchel.
Anneliese Knoop-Graf, die zusammen mit ihrem Bruder am 18. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet worden war, hat nach dem Krieg unermüdlich Schulen und andere Bildungsstätten für junge Menschen besucht und dort als Zeitzeugin berichtet und fasziniert. Eine ihrer Botschaften an die Schülerinnen und Schüler war: „Ihr müsst lernen, 'nein' zu sagen!“ Hierin lag auch ihr Engagement in der Weiße Rose Stiftung e.V. begründet. „Wir haben die Aufgabe, die Botschaft der jungen Menschen von damals, die ihr Leben gelassen haben, weiterzutragen“, führte sie in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk Ende 2007 aus. „Weil ich mich erinnern kann, erinnern muss, erinnern darf, fällt es mir leichter, fühle ich mich (...) erlöst. Mir fällt es dadurch leichter, das Schicksal meines Bruders in seinen Dimensionen zu begreifen und es für mein Dasein und für diejenigen, für die ich verantwortlich bin, fruchtbar zu machen. Das ist eine dankenswerte Aufgabe, die Willi mir beschert hat. Ohne ihn und ohne das, was er uns allen an Aufrichtigkeit und Mut hinterlassen hat, könnte ich gar nicht in der Weise über diese so schreckliche Zeit damals nachdenken.“
Die Trauerfeier findet statt am 26.09.2009 um 10.00 Uhr in der Schlossberghalle in Bühl-Neusatz.
Die Gedenkfeier der Weiße Rose Stiftung e.V. findet statt am 16.10.2009 um 18.00 Uhr in der Ludwig-Maximilians-Universität zu München statt.
Quelle: www.weisse-rose-stiftung.de/





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