Der letzte Köhler des Schwarzwalds (2007/08)

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckbutton anzeigen?E-Mail

Aktualisiert (Mittwoch, den 18. November 2009 um 00:21 Uhr) Geschrieben von: mhs Freitag, den 18. April 2008 um 08:12 Uhr

Die 4. Klasse der Freien Waldorfschule Freiburg-Wiehre besuchte im Rahmen ihrer Heimatkunde-Epoche einen Kohlenmeiler im Münstertal.

 

 

 

 

Bis ins 20. Jahrhundert hinein führten die Köhler ein karges, einsames Leben in den tiefen, abgelegenen Wäldern des Schwarzwalds.

Wortkarg waren diese rußverschmierten Gesellen. Die Kinder liefen vor ihnen davon und den Sonntag kannten sie nur vom Läuten der fernen Kirchenglocken. Denn Tag und Nacht mussten sie den Meiler auf der richtigen Temperatur halten. Oft litten sie unter Schlafmangel und Brandnarben.

Ihre Aufgabe war es, aus Holz Holzkohle herzustellen. Letztere ermöglichte eine vielfach höhere Temperatur und wurde für die Eisenbearbeitung und Glasgewinnung benötigt.

Zur Errichtung eines solchen Kohlenmeilers werden meterlange Holzscheite in kegelförmigen Stufen gesetzt und aufgeschichtet, ein mit Reisig und Späne gefüllter Feuerschacht angelegt und eine luftdichte Decke aus Gras, Moos, Erde und Asche - die so genannte Lösche – geschaffen. Verwendet wird dabei überwiegend Buchenholz. Über dem Feuerschacht wird der Meiler entzündet, bis der Verkohlungsprozess schließlich bei rund 700°C einsetzt.

 

 

6-8 Tage dauert dieser Vorgang, bei sehr großen Meilern auch mehrere Wochen (es gab Meiler mit bis zu 100 Festmeter Holz!). In dieser Zeit muss der Köhler darauf achten, den Meiler weder erlöschen noch in hellen Flammen aufgehen zu lassen. Dies wird durch das Aufstechen und Verschließen von Luftlöchern geregelt. Am Ende ist der Meiler auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Nach Abkühlung wird die Kohle freigelegt, sortiert und in Säcke verpackt.

 

 

Mit der verstärkten Nutzung von Steinkohle ging das Köhlerhandwerk immer weiter zurück. Während es um das Jahr 1880 allein im Münstertal etwa 120 Köhler gab, findet man dort heute nur noch einen einzigen. Er heißt Siegfried Riesterer. Dieses aussterbende Handwerk hatte er einst von seinem Großonkel gelernt. Dreimal im Jahr - jeweils nach Ostern - baut der Waldarbeiter gemeinsam mit seiner Frau Kriemhild (sic!) in Rotenbuck im Münstertal seine Kohlenmeiler auf.

Die Holzkohle wird als Grillkohle verkauft und an Apotheken zur Verarbeitung in Arzneien und als Filterkohle.

Die Anfahrt zum Kohlenmeiler: Auf der L123 von Staufen kommend bis zum Rathaus Münstertal; dort rechts ab auf die L130 Richtung Rotenbuck, nach etwa 2 km wieder rechts ab ins Seitental "Gabel" zum Waldparkplatz "Gabel". Nach etwa 600 m links der schmalen Straße parken (rechts Grillstelle mit Schutzhütte) und die restlichen 300 Meter zu Fuß gehen bis zum Meiler.

 

Größere Kartenansicht