"Damit wir uns nicht verlieren ..." Matinee zum 66. Todestag von Sophie Scholl

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Aktualisiert (Mittwoch, den 07. April 2010 um 23:23 Uhr) Geschrieben von: mhs Montag, den 12. Januar 2009 um 08:00 Uhr

 

 

„Damit wir uns nicht verlieren ...“

 

Matinee

zum 66. Todestag

von

Sophie Scholl

 


Lesung aus dem Briefwechsel zwischen

Sophie Scholl

und

Fritz Hartnagel

(1938–1943)


Agnes Zehnter – Briefe S.Scholl

Hubert Schwizler – Briefe F.Hartnagel

Alwina Kempf - Violine

Adeline Engelhardt - Klavier


Sonntag, 15. Februar 2009,

10.30 Uhr

Festsaal

der

Freien Waldorfschule Freiburg-Wiehre

Schwimmbadstraße 29

D-79100 Freiburg i. Brsg.

 

Der Eintritt ist frei; Spenden sind uns willkommen.

Nach der Matinee sind Sie im Foyer des Festsaales zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Außerdem besteht die Möglichkeit zu einem anschließenden Ausstellungsbesuch.

 

Diese Matinee wird - in gekürzter Form - am
22. Februar 2009 um 11.00 Uhr im
noch einmal zu hören und zu sehen sein.

 

 

Am 18. Februar 1943 wurde Sophia Magdalena Scholl (geboren am 9. Mai 1921 in Forchtenberg) nach dem Verteilen von Flugblättern in der Münchner Universität verhaftet.

Vier Tage später, am 22. Februar, wurde sie in München vom Volksgerichtshof unter Vorsitz des Richters Roland Freisler zum Tode verurteilt. Noch am selben Tage gegen 17 Uhr wurde sie im Strafgefängnis München-Stadelheim gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und Christoph Probst enthauptet. In den darauf folgenden Wochen und Monaten wurden eine Reihe weiterer Hinrichtungen an Mitgliedern der Weißen Rose vollzogen.

Mit 16 Jahren lernte Sophie Scholl beim Tanzen den vier Jahre älteren Fähnrich Fritz Hartnagel kennen. Zwei Jahre später bricht der Zweite Weltkrieg aus. Hartnagel dient als Offizier an der Ostfront. Verwundet entkommt er mit einem der letzten Flugzeuge dem Kessel von Stalingrad. Sophie Scholl, inzwischen Studentin der Biologie und Philosophie in München, schließt sich dem Widerstand der Weißen Rose um ihren Bruder Hans an.

Der Briefwechsel spiegelt das Auf und Ab einer Freundschaft und Liebesbeziehung, die immer wieder von Missverständnissen und Schuldgefühlen belastet ist. Vieles bleibt in diesen Briefen ungesagt oder wird nur zart angedeutet. Auf Phasen einer scheinbar harmonischen Zwiesprache folgen Zeiten tiefer Verstimmungen und quälender Sprachlosigkeit. Nicht nur die räumliche Entfernung macht eine Verständigung schwierig. Was die beiden trennt, sind zunächst ganz unterschiedliche Lebensentwürfe.

Wir lernen hier Sophie Scholl mit allen Facetten ihrer reichen Persönlichkeit kennen. Am Anfang begegnet sie uns als unbeschwerter Backfisch, der sich in der Schule langweilt, gern durch Wälder streift und von ausgedehnten Fahrten träumt. Doch zunehmend wird der Ton ihrer Briefe ernster, Motive des späteren Widerstands und dunkle Vorahnungen klingen an.

Aber auch Fritz Hartnagel gewinnt eine eigene Statur. Er war eben nicht nur die eher uninteressante Figur am Rande, sondern ein bemerkenswert ernsthafter, sensibler Mann, der in der Begegnung mit der jüngeren Freundin zu sich selbst fand. Im Angesicht der Kriegsereignisse und unter dem Einfluss von Sophie Scholl wird aus dem einst militärbegeisterten Offizier endgültig ein Gegner des Krieges und des NS-Regimes.

Nach dem Krieg trug er ihr Vermächtnis weiter, als Richter am Landgericht Stuttgart, als Gegner der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, als Teilnehmer an Ostermärschen und als Mitglied der Friedensbewegung. Fritz Hartnagel starb am 29.04.2001 im Alter von 84 Jahren.

 

S. Scholl und F. Hartnagel; Damit wir uns nicht verlieren - Briefwechsel 1937-1943; Frankfurt 2008