Bretter, die die Welt bedeuten

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckbutton anzeigen?E-Mail

Aktualisiert (Montag, den 23. März 2009 um 09:53 Uhr) Geschrieben von: Jochen Schmid-Kramer (E) Montag, den 23. März 2009 um 09:24 Uhr

Variete 2009

Noch schöner denn je: das diesjährige Varieté

Man hätte die Stadthalle mieten sollen, wenn da nicht bereits die UB drin wäre. Oder gleich die Rothaus-Arena. Der Andrang zum neuesten Varieté der Freien Waldorf- schule Wiehre war jedenfalls beängstigend. Zehn Minuten nach dem eigentlichen Vorstellungsbeginn  wurden noch Stühle geschleppt, dann war der Festsaal pickepackevoll, etliche Gäste mussten wieder heimgeschickt werden. Die Magie dieser Veranstaltung hat sich offenbar herumgesprochen.


Und sie wurde dem Ruf, der ihr vorauseilte, ein weiteres Mal mehr als gerecht. „Es ist unglaublich, glauben Sie mir“,  so kündigte Mit-Conférencier Lion Baumann eines der zahlreichen Highlights des Abends an. Unglaublich, aber wahr, was für ein Programm die Schüler der Oberstufe unter der Leitung von Frau Idler und Herrn Koekebakker unter der Zuarbeit einer Brigade von Helfern, allen voran Fr. Isabelle Noel, auf die Bretter des Festsaals gestellt hatten – jene Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten.


Und darum ging es denn auch von Anfang an, um Bohlen. Nicht um Dieter Bohlen, sondern um jenes Holz, mit dem die Festhallenbühne bestückt ist und das  demnächst ausgewechselt gehört. Die drei Moderatoren des Abends (sehr gelassen witzig und perfekt eingespielt: Lion Baumann, Marc Wilhelm und Herr Koekebakker) hatten bei ihren Auftritten gerne eine Stück Holz vorm Kopf oder auch unter dem Arm, mit dem sie an den tieferen Sinn des Abends erinnern wollten: zu spenden, zu spenden, zu spenden, damit der neue Bodenbelag für die Festsaalbühne denn auch finanziert werden könne.


Um es vorweg zu nehmen: Die Lebenszeitspenden, die die Elternschaft ausgelobt hatte, waren im Nu vergriffen, und so mancher Schein wanderte später noch in die Sammelkörbchen. Schließlich kamen (abzüglich aller Ausgaben, Technik, Deko, Blumen…) rund 1300.- Euro zusammen – wirklich ein Stück Holz, aus dem die neue Bühne gezimmert werden kann.



Dann  ging es Schlag auf Schlag. Wir würden an dieser Stelle gerne alle auftretenden Künstler ausführlichst loben wollen, keinen hervorheben und keinen hintanstellen, so toll war das – aber da fehlt hier der Platz. Also im Stenogrammstil durchs fulminante  Programm: Alina Heuser und Luise Renner (beide 8. Klasse)  schwangen sich in kühnen Verschlingungen am Tuch durch die Lüfte, später taten es ihnen Johannes Hepe und Mirja Küster  (beide 10. Klasse) in Begleitung von Maura Waetzel (12. Klasse) und Anna-Lena Edelhoff (11. Klasse) an dem Ring ebenso atemberaubend nach. Jakob Engel (12. Klasse) und Sören Kube (11. Klasse) wirbelten schwindelerregend Bälle und Keulen durcheinander.  Almut Küpper (12. Klasse) und Eleisa Porsch (11. Klasse) bezauberten auch in diesem Jahr wieder mit ihrem inzwischen sehr ausgereiften, präzise anmutigen indischen Tanz. Mädchen und Jungen aus der 8. und 10. Klasse ließen behände mithilfe des Trapez die Körper fliegen -  Artistik auf hohem Niveau, lässig lächelnd präsentiert. Akrobatisch in erstaunlichen Pyramiden, zwei und drei Mann hohen Türmen und ausgeklügelten Gleichgewichtsübungen präsentierten sich Artisten aus der 10.Klasse. Die Teilnehmerinnen des Jugendprojekts Pro Arte von Chantal Kohlmeyer und Elias Götte zeigten gleich zweimal, was sie tänzerisch zu bieten haben –  und das ist beeindruckend. Für alle galt: Die  begleitende Musik war mit viel Einfühlungsvermögen ausgewählt und die Kostümierung besonders wirkungsvoll durch ihre Schlichtheit.


Auch Eltern waren ins Programm eingebunden. Die einen spielten sechshändig, humorvoll tastentosend am Klavier. Die anderen eilten mitsamt der Töchter acht- und leichtfüssig aus dem St. Wilhelmer Tal herbei: Der hinterwäldlerische Reigen, den Familie Bender aufzuführen versprach, entpuppte sich als „hippe“ Rock'n'Roll-Nummer. Der Saal staunte, dann tobte er ob der tänzerischen wie konditionellen Hochleistung.  Nicht zu vergessen die „Special Guests“ Calima und Brian aus Hannover und Freiburg: Sie boten Körperakrobatik der  schwersten Sorte, aber unglaublich leicht  zelebriert.



Das musikalische Rahmenprogramm (ach was, das war kein Rahmenprogramm, das war voll im Bilde) lieferten die Bands MitGefühl (Martin Hamre, Vincent Menz, Felix Küppers, Jusua Uhl und Rafael Hernandes Westfahl ) und TanzBar (Marc Wilhelm, Lion Baumann, Tobias Maertins, Geraldine Schüle und Gwendoline Weisser) – die einen mit einfühlsamen eigenen Songs, die anderen mit Klassikern von den Rolling Stones bis zu Hit the Road Jack. Da wippten die Zehen, da zuckten die Schultern bei den Zuhörern, und einige Fans konnten nur unter Hinweis auf den Brandschutz am Entzünden und Schwenken von Feuerzeugen gehindert werden. Ein weiterer von den vielen Höhepunkten war wieder einmal der Auftritt von Ohrwerk, jener sechsköpfigen  A-Cappella-Band, die vollstimmig und stimmungsvoll zum Taubenvergiften im Park aufrief. Dass zum Schluss auch noch der alte Horscht, alias Herr Stückli, hereinplatzte, obwohl das Abitur kurz bevor steht, und dank seiner dreizehnjährigen Erfahrung gekonnt ein paar Kollegen des Lehrerkollegium der Freien Waldorfschule Wiehre aufs Korn nahm, rief schöne Erinnerungen an den früheren Conférencier der Veranstaltung namens Julian Limberger wach. (Er wird am 24. Juli einen ganzen Abend mit seiner Comedy-Show bestreiten).



Das alles lief technisch perfekt (dank Johannes und Tobias Maertins, Daniel Bender, und Marius Birmele), optimal ausgeleuchtet (dank David Ebi, Jakob Engel, Mathis Waetzel und Luis Schwarz), ganz ohne Umbaupausen, dafür mit köstlicher Bewirtung (dank Eltern aus allen Klassen !!)  während der großen Pause im geschmückten Festsaal und  Foyer (Frau Wilhelm, Frau Hoheisel, Frau Steffe, Frau Baumann). Als sich die große Künstler- und Helferschar auf der Bühne vereinte, sah man überglückliche Gesichter, darauf und davor. Der so sehr gelungenen Veranstaltung merkte man die große Erfahrung an, die Frau Idler und Herr Koekebakker im Laufe der Jahre gesammelt haben, aber auch den großen Einsatz aller Kräfte. Freuen wir uns schon jetzt aufs nächste Jahr, auf ein neues Varieté, dann auf neuen Brettern, die diese wunderbare Welt bedeuten.