20.000 bei Großdemonstration der Freien Schulen in Stuttgart
Aktualisiert (Mittwoch, 20. Januar 2010 19:08) Geschrieben von: mhs Dienstag, 19. Januar 2010 18:11
Rund 20.000 Schüler, Eltern und Lehrer von Freien Schulen haben am Dienstag, 19.01.2010, in der Stuttgarter Innenstadt demonstriert, darunter auch rund 200 Schüler, Eltern und Lehrer der FWS Freiburg-Wiehre.
Sie forderten vom Land mehr Geld für die Schulen in freier Trägerschaft. Während zu gleicher Zeit im Landtag die Haushaltsdebatte stattfand, zogen die Teilnehmer mit Trillerpfeifen und Transparenten am Parlament vorbei zur Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz.

Der Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg, Christian Schad, forderte die Landesregierung auf, wie versprochen Schulen in privater Trägerschaft mit 80 Prozent der Kosten für Schüler an öffentlichen Schulen zu unterstützen. Dafür müssten im Landeshaushalt jährlich 47,5 Millionen Euro mehr eingeplant werden. Zurzeit belaufe sich die Förderung je nach Jahrgangsstufe nur auf 60 bis 70 Prozent.

Am Bahnhofsturm befestigten die Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift "Bildung statt Bahnhof". Auf anderen Plakaten standen Sprüche wie zum Beispiel: "Will der Mappus an die Spitze, mach' er mit uns keine Witze." Der CDU-Landtagsfraktionschef Stefan Mappus soll Ende Januar neuer Ministerpräsident werden. Wenige Tage später ist der Baubeginn für das umstrittene milliardenschwere Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21".

"Es ist überwältigend, wie viele Schüler nach Stuttgart gekommen sind, um dafür zu kämpfen, was im Gesetz bereits festgelegt ist", sagte der Vorsitzende des Schul-Ausschusses im Landtag, Norbert Zeller (SPD). "Die Schulen haben noch keinen Stufenplan und keine Perspektive, wie die versprochene Förderung erreicht werden soll. Nun gilt es, die geweckten Hoffnungen nicht zu enttäuschen."

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Renate Rastätter, nahm an der Demonstration teil. "Fakt ist: Die Zahl der Schüler und der freien Schulen steigt, die Deckungsgrade der Zuschüsse sind aber unter 70 Prozent gefallen", kritisierte sie. "Der extremen Unterfinanzierung der Freien Schulen muss ein Ende gesetzt werden."

Sogar die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU Baden-Württemberg teilte mit, «private Schulen sind Spitze in Bildungsqualität». Das grundgesetzlich verbriefte Recht der Eltern auf freie Schulwahl dürfe nicht dadurch infrage gestellt werden, dass sich Eltern aus finanziellen Gründen den Besuch ihrer Kinder an einer Freien Schule nicht leisten könnten.

Hansjörg Böhringer, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg erklärte: "Seit vielen Jahren leisten freie Schulen einen wichtigen Beitrag zur Qualität des Bildungswesens speziell auch in Baden-Württemberg, bereichern den Lernalltag in Schulen mit zahlreichen Anregungen und Innovationen, stärken das Wahlrecht der Eltern und bringen zusätzliche Ressourcen in die öffentliche Bildung ein".
"Den Strukturdefiziten und Fehlentwicklungen des staatlichen Schulwesens kann nur mit einer Stärkung gemeinnütziger Schulen in freier Trägerschaft begegnet werden, um so mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler zu erreichten," so Böhringer.

Mit über 110 Bussen waren Eltern, Lehrer und Schüler von kirchlichen, Waldorf- und anderen Privatschulen aus ganz Baden-Württemberg nach Stuttgart gereist. Die Veranstalter hatten mit 15.000 Teilnehmern gerechnet. Die von der Polizei bestätigte Zahl von 20.000 überstieg die Erwartungen deutlich.

Lesen Sie hier die Presseerklärung der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in BaWü vom 18.01.2010.
Lesen Sie hier das Pressestatement von Nikolas Klauser, Schülervertreter der AGFS in BaWü.
Lesen Sie hier das Pressestatement von Steffen Schmid, Mitglied des Landeselternbeirates BaWü.

Quelle:
dpa, veröffentlicht am 19.01.2010




