Adresse

Freie Waldorfschule Freiburg-Wiehre
Schwimmbadstraße 29
D-79100 Freiburg
Telefon 0761. 791 73 - 0
Telefax 0761. 791 73 - 29
sekretariat@waldorfschule-freiburg.de

Schulferien / Feiertage

Schuljahr 2011

Ferientag
Maifeiertag
Himmelfahrt
Ferientag
Pfingsten
Sommer

30.04.'12
01.05.'12
17.05.'12
18.05.'12
29.05.-08.06.'12
26.07.-07.09.'12

Schuljahr 2012/13

erster Schultag
Herbst
Weihnachten
Winter
Ostern
Maifeiertag
Himmelfahrt
Pfingsten
Sommer
T.d.dt.Einheit

10.09.2012
25.10.-02.11.'12
20.12.'12-04.01.'13
11.02.-15.02.'13
25.03.-05.04.'13
01.05.'13
09.05.13
21.05.-07.06.'13
25.07.-09.09.'13
03.10.'13

 

 

 

 

Ausstellung: Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckbutton anzeigen?E-Mail

Aktualisiert (Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 13:27 Uhr) Geschrieben von: mhs Montag, den 17. Januar 2011 um 00:00 Uhr

 

 

Am Sonntag, den 09.01.2011, um 10 Uhr wurde die Eröffnung dieser Ausstellung mit einer Vernissage gefeiert. Bürgermeister Ulrich von Kirchbach überbrachte zu diesem Anlass ein Grußwort der Stadt Freiburg. Als Gäste durften wir Vertreter aus den verschiedenen Religionsgemeinschaften, aus Gemeinderat, Land- und Bundestag begrüßen.

Besonderer Dank gilt den Menschen, welche die Ausstellung mit ihren Beiträgen bereichert haben:

  • Murat Coskun mit einem bunten Klangbild seiner Percussion-Instrumente
  • der Kapelje Freiburg mit Klezmermusik
  • dem Schülerorchester unter Leitung von Gabriela Scheinpflug mit Sätzen aus einer Orchester-Suite von Johann Bernhard Bach
  • Bernhard Ruchti (11.Kl.) und Lion Baumann (12.Kl.) mit einem Dialog aus Lessings "Nathan der Weise"
  • Laurenz Wirth (7.Kl.) mit einem Auszug aus einem Gespräch zwischen Goethe und Eckermann

Ein Herzliches Dankeschön auch an die zahlreichen Besucher unserer Vernissage und für die eingegangenen Spenden.

Die Ausstellung ist bis 17. Februar im 1. Obergeschoss unserer Schule, zwischen Lehrerzimmer und 11.Klasse, zu sehen.

Ein Begleitheft zur Ausstellung kann im Sekretariat für Euro 2,50 erworben werden.

 

Das Thema der "Integration" beherrscht seit Wochen und Monaten die Schlagzeilen. Doch Integration setzt jenseits dieser Schlagzeilen ein Wissen um die kulturelle Identität des jeweils Anderen voraus. Mit der Präsentation dieser Ausstellung möchten wir hierzu einen weiteren bescheidenen Beitrag leisten. Wir wenden uns damit ausdrücklich nicht nur an die Mitglieder unserer Schulgemeinschaft sondern an alle Mitbürger in Freiburg.

Die Ausstellung möchte einladen, die faszinierende Welt der Religionen besser kennen zu lernen und die Bedeutung ihrer ethischen Botschaften in ihrer Relevanz gerade für unsere heutige Gesellschaft besser zu verstehen.

Hervorgegangen ist diese Ausstellung aus dem »Weltethos- Projekt« des in Tübingen lebenden Schweizer Theologen Prof. Dr. Hans Küng. »Kein Friede zwischen den Nationen ohne Friede zwischen den Religionen« – dieser Satz bildet die Leitidee von Hans Küngs Arbeit.

Weltethos, das ist die Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos: Menschen – ob global, national oder regional – sind für ein friedliches Zusammenleben auf gemeinsame elementare ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen angewiesen.

Solche Werte finden sich in allen großen religiösen und philosophischen Traditionen der Mensch heit. Sie müssen nicht neu erfunden, wohl aber den Menschen neu bewusst gemacht, sie müssen gelebt und weitergeg eben werden.

Dafür braucht es:

- Den Dialog der Religionen und Kulturen, insbesondere das Wissen um die Gemeinsamkeiten im Ethos.

- Eine kulturübergreifende Werteerziehung. Schon Kinder müssen lernen, dass friedliches Zusammenleben auf allen Ebenen vom Einhalten elementarer Regeln abhängt. Keine Gesellschaft kann ohne eine verbindendes Wertefundament gedeihen.

- Ethische und interkulturelle Kompetenz. Dies gilt in einer rasant sich "globalisierenden" Welt für jeden Zeitgenossen; im Besonderen aber auch für Wirtschaftsunternehmen. Akteure im internationalen Wettbewerb sind mehr denn je auf kulturübergreifende Normen angewiesen.

- In Recht und Ethos verankerte nationale und internationale Politik: Kooperation und Integration statt parteipolitische oder militärische Konfrontation.

 

Lesen Sie hier die Ansprache zur Begrüßung und Eröffnung:

 

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte Vertreter der verschiedenen Bekenntnisse, Konfessionen und Gemeinden, liebe Gäste,

 

seien Sie im Namen der Freien Waldorfschule Freiburg-Wiehre ganz herzlich willkommen zur heutigen Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Weltreligionen-Weltfrieden-Weltethos“.

Wir freuen uns, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind.

 

Liebe Gäste, wir leben in einer Welt, die wir durch die Errungenschaften und Erfindungen des Medienzeitalters durchaus als ein „globales Dorf“ bezeichnen können.

Was zeichnet denn ein „Dorf“ aus im Gegensatz zu einer Großstadt? Nun, neben der örtlichen Überschaubarkeit, ist dies sicherlich auch die Überschaubarkeit der menschlichen Beziehungen. Man kennt sich, man weiß um einander, steht sich nahe und kümmert sich um seinen Nächsten. Und zum Zeichen, dass solcher Art Friede göttlicher Wille sei, stand im Zentrum eines Dorfes eben stets die Kirche, die Moschee, eine Synagoge oder ein Tempel.

Und was kennzeichnet unser „globales Dorf“? Vielerorts mussten die Gotteshäuser zwar den Einkaufstempeln weichen. Und ohne einen Fuß vor die Türe setzen zu müssen, kann man in Sekundenschnelle mit Menschen aus aller Welt in Kontakt treten. Doch wie keine Generation vor uns wissen wir um die Not und Bedrohung uns ferner und unbekannter Menschen, werden diese uns nah, wissen wir um die Gefährdung von Umwelt und Klima. Wir werden dadurch aufgefordert, uns zu kümmern. Dies wird gerade auch von jungen Menschen immer stärker als eine Herausforderung anerkannt, der man sich zunächst zwar als Einzelner stellen muss, welche man aber letztlich nur gemeinsam mit internationalen und globalen Anstrengungen wird meistern können, ebenso wie die Einrichtung stabiler und gerechter Wirtschaftssysteme oder die dauerhafte Stiftung von Frieden.

Im Überblick über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte lässt sich feststellen, dass es keine gedeihliche materielle Kultur geben kann ohne die Grundlage eines wirklich geistigen Lebens. Nie hat es einen Staat, nie hat es eine Volksgemeinschaft gegeben ohne eine wirkliche religiöse Grundlage, ganz gleich um welches Bekenntnis es sich dabei jeweils handelte. Jede große Kultur hat aus diesen Grundlagen heraus die Kraft zum geistigen Schaffen gezogen. Niemals wäre das zustande gekommen, was im alten Ägypten, in Indien, Vorderasien, in Griechenland und im Abendlande entstanden ist, wenn es nicht aus dem herausgewachsen wäre, was die Menschen geglaubt und gedacht haben.

Religionen und ihre Weisheitsschätze waren immer dazu da, um geistigen Inhalt zur Beantwortung der Welt- und Lebensrätsel in die Seelen zu gießen, damit die Antwort für die Menschen Kraft, Trost und Zuversicht sei. Oder mit anderen Worten: Der Mensch sollte aus der Religion eine Antwort bekommen auf die brennenden Daseinsfragen, damit er mit Ruhe und Sicherheit im Leben sich bewege, damit er wisse: Ich vollbringe, was ich zu vollbringen habe, aber ich sehe auch auf zu den großen Tatsachen der Unsterblichkeit, die jenseits des Alltages liegen.

Nur ein Mensch der innerlich befriedigt ist, der harmonisch sich so aufzuklären weiß, dass diese Rätsel des Lebens nicht als bange Sorge und als Unsicherheit in seiner Seele leben, sondern der über die höchsten Fragen der Seele ruhig sein kann, ist stark und hat die Kraft zu leben. Unweisheit dagegen schwächt und macht den Menschen gegenüber der Alltagsarbeit und ebenso gegenüber den höchsten Aufgaben des Lebens irre. Weisheit aber ist in den Religionen enthalten.

Den Menschen, welche die Notwendigkeiten der Gegenwart fühlen, frommt es nicht mehr mit Hass, Verachtung und Verfolgung den anderen Religionen zu begegnen. Sie können die Zeit des Hasses und der Intoleranz nicht mehr recht verstehen, wo im Namen der Religion ungeheuer viel Blut geflossen ist - und noch täglich fließt. Den anderen und dessen Religion zu dulden und zu tolerieren ist eine Forderung unserer Zeit. Und diese ist berechtigt und führt durchaus zu Menschenliebe und Humanität. Doch stellt sich die Frage, ob jene Forderung nach Toleranz und Duldung allein sich wirksam erweisen kann. Dieses 21. Jahrhundert wird sich schließlich doch auch zu etwas anderem fähig erweisen müssen. Nicht nur gegenseitige Toleranz und Duldung, sondern vollständiges Verstehen wird es brauchen. Bekenntnisse werden die Menschen nicht mehr trennen dürfen. Künftig wird es nötig sein, sich gegenseitig zu verstehen und sich zu sagen: Ich habe mein Bekenntnis, das aus einer Kulturströmung hervorgegangen ist, der ich meine Gedanken, Anschauungen und Ideale verdanke, aber ich muss auch mit anderen Menschen im Verkehr sein, muss sie ganz verstehen können. Die Wahrheit, die ich bei mir finde, soll nicht nur tolerieren und dulden, sondern eindringen in das, was die andere Seele fühlt und empfindet. Sie muss Verständnis haben für jedes andere Bekenntnis.

Das ist doch noch etwas ganz anderes: Über die Duldung hinauszuschreiten zu einem gegenseitigen Verständnis. Denn dann wird der Bekenner einer Religion oder Konfession sich sagen können: Die Wahrheit ist mir in einer bestimmten Form bekannt geworden. Die Wahrheit aber lebt in anderen Seelen in anderer Form. Die Formen haben gewiss ihre Berechtigung, sie sollen uns aber nicht trennen. Das, was an Weisheit darin liegt, soll uns verbinden.

Eine Humanitätsidee soll es sein, die auf Grund einsichtiger Menschenliebe verbindet und nicht nur auf Grund von Toleranz und Duldung.

Einsicht ist mehr als Toleranz.

Einsicht adelt den Menschen mehr als Duldung.

 

Mögen Sie, verehrte Anwesende und alle folgenden Besucher, die Ausstellung in diesem Sinne aufnehmen."