Bogenschießen an der FWS Freiburg-Wiehre

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Bogenschießen für Anfänger -

ein Angebot für SchülerInnen ab Klasse 8, für Eltern, Lehrer und Freunde unserer Schule

 

Achtung: Der Beginn des Kurses muss aus Verletzungsgründen bis auf weiteres verschoben werden.

Ein neuer Starttermin wird an dieser Stelle bekanntgegeben. (Solange haben die u.g. Termine keine Gültigkeit.)


Im Schuljahr 2009/10 wird dieser Kurs ab 05.10.2009 wieder 14-tägig angeboten; jeweils montags von 18.00 bis 20.00 Uhr in der Turnhalle der FWS FR-Wiehre.

Die entsprechenden Termine sind in

2009: 05.10., 19.10., 02.11., 16.11., 30.11. und 14.12.

2010: 11.01., 25.01., 08.02., 22.02., 08.03., 22.03., 12.04., 26.04., 14.06., 28.06. und 12.07.

 

Eine verbindliche Anmeldung sollte bis 30.09.2009 an M.H. Schwizler (L) erfolgen. - m.hubert.schwizler (at) gmx.net

Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 6 Personen.

 

Der Unkostenbeitrag für Verschleißteile (Pfeile, Sehnen, Scheiben etc.) beträgt:

Euro 100,-/Schuljahr (Erwachsene)

Euro 50,-/Schuljahr (Schüler)

und wird mit der Anmeldung fällig.

 

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und abhängig von der Menge der zur Verfügung stehenden Bögen. Es entscheidet die Reihenfolge der Anmeldungen; bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass SchülerInnen bevorzugt werden.


Auch geübte Bogenschützen mit eigener Ausrüstung sind willkommen (Euro 25,-/Schuljahr für Verschleiß von Scheiben und Zielauflagen).

 

Mitzubringen: eng anliegende, langarmige Oberbekleidung, Hallenturnschuhe

 

 

Der Bogen ist ein faszinierendes Instrument. Starr und beweglich zugleich, ermöglicht er uns, was sonst nur unser Auge vermag und doch nicht kann: ins Ziel zu stoßen.


Die Kulturgeschichte des Bogens

Uralte Höhlenzeichnungen belegen, dass der Bogen als eines der ältesten Werkzeuge den Menschen schon seit vielen Jahrtausenden als Jagd- und Kriegswaffe begleitet. Als solche war er neben seinem Nutzen immer auch begleitet von einem Mythos. Man denke nur an den Schweizer Wilhelm Tell, an den englischen Balladenhelden Robin Hood, den Kyudo-Weg der Samurai, an Arjuna, den Wagenlenker und Bogenschützen der Bhagavadgita, oder Apollon, den Gott der Griechen, der mit seinen Silberpfeilen die Erdschlange überwand.

Wer heute den Bogen zur Hand nimmt, tut es meist in sportlich-spielerischem Sinn. Und doch steckt mehr dahinter.

Der Bogen lässt sich als ein Werkzeug betrachten, das in urfernen Zeiten den Menschen aus Götterwelten offenbart wurde. Die Kombination dreier eigenständiger Elemente wie Wurfholz, Sehne und Pfeil, die erst in Ihrer Dreiheit voll funktionsfähig werden, weist den Blick auf die menschliche Dreigliederung von Leib, Seele und Geist, insbesondere auf die drei Seelenkräfte des Wollens, Fühlens und Denkens. In der latenten Potenz des sich rundenden Wurfholzes vermag man die Charakteristik des Willens wieder zu finden. In der gerichteten Geradlinigkeit, punktuellen Ausrichtung und Schnelligkeit des Pfeiles mag man die Verwandtschaft zum Denken erkennen. Vermittelnd zwischen Wurfholz und Pfeil, beide tragend und verknüpfend, steht die Sehne als Element der Mitte, der Sphäre des Gefühls und des tragenden Rhythmus. Würde man auf eines der Elemente verzichten müssen, wäre der Bogen nicht nutzbar.

Die Faszination, die vom Anblick eines Bogenschützen ausgeht, spricht deutlich für ein ästhetisches Empfinden, welches realisiert, dass der Mensch als Schütze aus seinem Innersten die Seelenkräfte Denken, Fühlen und Wollen zu beherrschen sucht und auf ein Ziel hin ausrichtet.

 

 

J.W. von Goethe und das Bogenschießen

In Deutschland kam das Bogenschießen im Gegensatz zu angloamerikanischen und asiatischen Ländern über den Status einer Randsportart bis heute nicht hinaus. Und dies trotz der Wertschätzung, die das Bogenschießen hierzulande durch J. W. von Goethe erfuhr. Am 1. Mai 1825 lauschte dieser in seinem Weimarer Haus den Erfahrungen seines Privatsekretärs J. P. Eckermann, die dieser als passionierter Bogenschütze und Bogenbauer enthusiastisch zum Besten gab. In dem Buch ‚Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens’ hat Eckermann jene Unterhaltung aufgezeichnet, indem er zunächst selbst die Vorzüge des Bogenschießens schildert:

Das Schöne beim Bogenschießen ist,“ erwiderte ich, „dass es den ganzen Körper gleichmäßig entwickelt und die Kräfte gleichmäßig in Anspruch nimmt. Da ist der linke Arm, der den Bogen hinaushält, straff, stark, und ohne Wanken; da ist der rechte , der mit dem Pfeil die Sehne zieht und nicht weniger kräftig sein muss. Zugleich beide Füße und Schenkel stracks zum Boden gestreckt, dem Oberkörper als feste Basis. Das zielende Auge, die Muskeln des Halses und Nacken, alles in hoher Spannung und Tätigkeit. Und nun das Gefühl und die Freude, wenn der Pfeil hinaus zischt und im erwünschten Ziele steckt. Ich kenne keine körperliche Übung, die nur irgend damit zu vergleichen.

Es wäre etwas für unsere Turnanstalten“ versetzte Goethe. „Und da sollte es mich nicht wundern, wenn wir nach zwanzig Jahren in Deutschland tüchtige Bogenschützen zu Tausenden hätten. Überhaupt mit einer erwachsenen Generation ist nie viel zu machen, in körperlichen wie in geistigen Dingen, in Dingen des Geschmacks wie des Charakters. Seid aber klug und fanget in den Schulen an, und es wird gehen.“Aber auch deutsche Turnlehrer“, erwiderte ich, „wissen mit Pfeil und Bogen nicht umzugehen.“ „Nun“, antwortete Goethe, „da mögen sich einige Turnanstalten vereinigen und einen tüchtigen Schützen aus Flandern oder Brabant kommen lassen. Oder sie mögen auch einige hübsche, wohlgewachsene junge Turner nach Brabant schicken, dass sie sich dort zu guten Schützen ausbilden und auch lernen, wie man die Bogen schnitze und die Pfeile mache. Diese könnten dann in deutschen Turnanstalten als Lehrer eintreten, als wandernde Lehrer, die sich bald an dieser Anstalt eine Zeitlang aufhielten und bald an einer anderen.“

 

 

Goethe und Eckermann beim Bogenschießen in Goethes Garten am Frauenplan, 1. Mai 1825

»Goethe war 14 Tage nicht wohl, ist jedoch jetzt völlig wieder hergestellt. Gestern nachmittag schoss ich in seinem Garten mit einem Baschkirenbogen. Goethe selbst schoss zweimal. Ich hatte große Freude darüber. Ich schoss einen Pfeil in seine Fensterlade, der nicht wieder herauszubringen war und den wir haben stecken lassen.«

(Eckermann in einem Brief an seine Verlobte Johanna Bertram, 2. Mai 1825)


Die Bedeutung des Bogenschießens für eine Pädagogik des Jugendalters

Der Bogen ist ein hervorragendes Gerät, um gerade den durch seine körperliche Entwicklung in Form von Wachstumsschüben verunsicherten Jugendlichen dezent und indirekt an die neuen Verhältnisse, insbesondere der oberen Gliedmaßen, heranzuführen. Kräftigung des Schultergürtelbereiches, der Arme und des Nackens, Standfestigkeit und die feine Ausrichtung in die Raumesdimensionen werden gefordert und gefördert. Sowohl die Konzentration als auch die Ruhe, welche diese Bewegungsabläufe erfordern, führen zu wichtigen inneren Erlebnissen bei der Ausrichtung auf ein selbst bestimmtes Ziel. Nicht zuletzt dieser Aspekt ist eine ungemein bedeutsame Erscheinung beim Bogenschießen, dessen Wirksamkeit gerade in unserer schnelllebigen, unruhigen und oft genug bereits für Jugendliche hektischen Zeit nicht unterschätzt werden sollte.

In der moralischen Welt des Heranwachsenden wird die eigene Ausrichtung auf ein individuelles Lebensziel eine zunehmend wichtige Fragestellung. „Wer bin ich und wo führt mich mein ganz eigener Weg hin?“ sind die Fragen, die beginnen das Lebensgefüge nicht nur zu erweitern sondern auch zu verunsichern. Das Erlebnis am Bogenschießen, dass durch eigene Anstrengung ein Ziel in der Ferne erreicht werden kann, wenn der Schütze bereit ist, sich den Bedingungen eines Gerätes anzupassen und es nicht nur richtig zu bedienen, sondern auch zu beherrschen vermag, kann dabei eine hilfreiche Erfahrung sein.

 

Arcus tensus rumpitur.

(Plutarch von Chäronea)