Oberstufe
Mit dem Ende der Klassenlehrerzeit und dem Beginn
der Oberstufe nimmt das Interesse der Schüler an
den großen Lebensfragen auf wissenschaftlichem,
künstlerischem oder menschlichem Gebiet zu. Dieses
Interesse bestimmt die gesamte Oberstufenzeit.
Der Unterricht trägt diesem Interesse Rechnung, um
das Fundament für eine Lebenshaltung zu legen, die
nicht am Oberflächlichen verweilt.
Fachlehrer übernehmen nun auch den Hauptunterricht;
in einer wissenschaftlichen Haltung hinterfragen
die Schüler die Unterrichtsthemen, um vorgefasste
Meinungen zu überwinden und eigene Standpunkte
zu finden.
9. Klasse
Die Strukturierung des Denkens macht es den Schülern
möglich, zu Verstandesurteilen zu gelangen. Sie
fragen danach, wie Menschen ihre Welt verändern und
wofür es sich heute zu kämpfen lohnt. Neu erwachende
Willenskräfte suchen sich Ziele, deshalb lernen sie
Ideen und Ideale im Unterricht kennen.
Gleichzeitig hat die neunte Klasse eine Übergangsfunktion:
Die Welttatsachen werden im Zusammenhang
mit bildhaftem Erleben und Miterleben erarbeitet:
Vom Subjektiven zum Objektiven.
10. Klasse
Analysierende Auseinandersetzungen mit materiell
konkreten Gegebenheiten und Gesetzmäßigkeiten
sollen die Klarheit im Denken und die zunehmende
Urteilsfähigkeit der Schüler fördern. – Wie wurden wir,
was wir heute sind? Die Beschäftigung mit Vergangenem
steht in vielen Fächern auf dem Lehrplan, z. B die
Entstehung der Hochkulturen aus topographischen,
und klimatischen Bedingungen der jeweiligen Region.
11. Klasse
Das logische Denken im Unterricht, das in der 9.
und 10. Klasse schon vorbereitet wurde, findet in der
11. Klasse seine Fortführung. Das Erkennen von Zusammenhängen
ist weiterhin von großer Bedeutung.
Gleichzeitig tritt nun ein latentes Bedürfnis zur Vertiefung
und Individualisierung von Problemen auf, und
die Frage nach der eigenen Identität rückt in den
Mittelpunkt. Gesetzmäßigkeiten werden nicht mehr
bloß in der Natur und der Menschheitsentwicklung
gesucht, sondern auch in der Menschenseele.
12. Klasse
Das 12. Schuljahr als Abschlussjahr der Waldorfschule
rückt den Menschen als zentrales Wesen im Kosmos
in den Mittelpunkt. Die Schüler gehen von der Sinnesbeobachtung
aus, um Zusammenhänge zu schaffen
und innere Bezüge herzustellen. Sie gewinnen Überblick
über das Zusammenspiel von Geistigem und
Sichtbarem.
13. Klasse
In einem 13. Schuljahr gibt es für die Schüler, welche
die Aufnahmevoraussetzungen erfüllen, die Möglichkeit,
die Fachhochschulreife oder die Allgemeine
Hochschulreife zu erwerben.
Wir müssen der Jugend mehr Gelegenheit geben,
während ihrer Ausbildungszeit persönliche Erfahrungen
zu machen. Nur wenn wir sie selbst Tatsachen
finden lassen, kann Wissen zur Weisheit werden.
Walter Gropius
Literaturtipp:
„Pädagogischer Auftrag und Unterrichtsziele – vom
Lehrplan der Waldorfschule“ Hrsg. von Tobias Richter,
2. erweiterte und aktualisierte Auflage, Stuttgart,
Verlag Freies Geistesleben 2006
„Erziehung zur Freiheit. Die Pädagogik Rudolf Steiners“,
9. aktualisierte Auflage, Stuttgart,
Verlag Freies Geistesleben 1981






