Freie Schulen unzureichend finanziert

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckbutton anzeigen?E-Mail

Aktualisiert (Samstag, den 10. Dezember 2011 um 22:40 Uhr) Geschrieben von: mhs Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 10:55 Uhr

 

Postkartenaktion „100 % Schule braucht mindestens 80 % Förderung“

In ihrer Koalitionsvereinbarung hatten CDU und FDP in Baden-Württemberg eine Erhöhung der Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft auf 80 % der Kosten der Schüler in staatlichen Schulen angekündigt. Dieses so genannte Bruttokostenmodell (BKM) war das Ergebnis langwieriger Verhandlungen der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) mit einer interfraktionellen Arbeitsgruppe im Landtag BaWü. Von diesem Ziel ist man aktuell jedoch weiter entfernt als je zuvor. Als Vertreter der freien katholischen Schulen wirft Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz und Freiburger Erzbischof, der baden-württembergischen Landesregierung inzwischen gar offen Wortbruch vor.

Die gegenwärtige negative Entwicklung gefährdet mittel- und langfristig die Existenz freier Schulen. Schon jetzt ist der Betrieb nur möglich durch einen kaum noch zu vertretenden Gehaltsverzicht der Kollegien und durch steigende Elternbeiträge. Letztere haben nach Aussage von Gutachtern längst eine Höhe erreicht, die das Sonderungsverbot des Grundgesetzes (Artikel 7 Absatz 4) verletzen. (Siehe  auch: „Grenzen der Belastbarkeit privater Haushalte mit Schulgeld vor dem Hintergrund des Sonderungsverbotes nach Art. 7 GG. Eine Untersuchung für das Land Baden-Württemberg.“ Steinbeis-Transferzentrum Heidenheim, 2007)

Der Kostendeckungsgrad der staatlichen Zuschüsse lag 2008 gerade einmal bei 59 % (Klassen 1-4)  und 76 % (Klasse 5-13). Ein freies Gymnasium wird in den nächsten Jahren bei konstanter Bezuschussung gar auf einen Deckungsgrad von 68 % absinken. Entsprechendes gilt für die Klassenstufen  5-13 einer Freien Waldorfschule. Durch die steigenden Kosten im staatlichen Schulwesen (G8, Absenkung des Klassenteilers, Bildungsoffensive etc.) erscheint eine Anpassung des BKM dringend geboten. Bildungsökonomisch droht sonst eine zunehmende „Marktverzerrung“, verursacht durch staatliches Handeln.

Gemeinsam mit den anderen in der AGFS organisierten freien Schulen hat sich nun die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in BaWü (LAG BaWü) zu einer Postkartenaktion entschlossen, mit der die Abgeordneten auf die in den nächsten Jahren weiter absinkenden Kostendeckungsgrade aufmerksam gemacht und somit zu einer Änderung des Haushaltsentwurfes 2010/11 aufgefordert werden sollen.

Wir bitten alle Eltern, Freunde und Befürworter eines freien Schulwesens die Abgeordneten ihres Wahlkreises (v.a. die der Regierungsparteien CDU und FDP) in deren Bürgersprechstunden oder durch persönliche Briefe zu einem entsprechenden Handeln aufzufordern.

Am 19.01.2010, dem Tag der 1.Lesung des Haushaltsentwurfes 2010/11 der Landesregierung, wird es in Stuttgart eine große Demonstration der in der AGFS zusammengeschlossenen Schulverbände geben. Über die Beteiligung unserer Schule werden wir zeitnah an dieser Stelle informieren.

 

M.H.Schwizler – Delegierter LAG BaWü