Praktisch-künstlerischer Zug

Es ist Donnerstag, zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr:
Im Handarbeitsraum nähen fünf Schülerinnen der 9. Klasse gerade an ihrer Kapuzenjacke nach Schnitt. Im Werkraum schnitzt und schleift die 5. Klasse Schiffchen aus Kiefernborke. Der Festsaal vibriert von den Klängen des Mittelstufenorchesters der Klassen 5 bis 8 ...

 

Was die Hand ertastet, ergreift – das erfühlt auch das Herz, das begreift der Kopf. Dieser Prozess, auf den Rudolf Steiner mit großer Eindringlichkeit hinwies, gehört genauso elementar zum Leben wie das Verlagen nach Betätigung, das aus den unbewussten Tiefen des Wollens heraus wirkt.

Nicht erst seit der wissenschaftlichen Bestätigung dieser Zusammenhänge in jüngster Zeit wirkt die Waldorfschule darauf hin, dass die Kinder ihr manuelles Geschick entfalten lernen. Dabei ist der künstlerisch-handwerkliche Unterricht ein zentrales Bildungsmittel von allgemeiner, menschenbildender Bedeutung. Mit Kunst und Musik werden Genauigkeit der Wahrnehmung, Disziplin und Ausdauer, Kreativität und Eigenverantwortlichkeit gefördert.

Die Ausbildung und die Schulung künstlerischer und handwerklicher Fähigkeiten sind für Wettbewerb und Leistung unverzichtbar. Diese Schlüsselkompetenzen gehören unabdingbar zur Menschenbildung und sind Kern unseres Bildungsauftrages. Sie werden in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen des Lebens gebraucht.


Nach dem für alle Kinder verpflichtenden Handwerksunterricht von der 5. bis zur 8. Klasse setzt ab der 9. Klasse eine stärkere Differenzierung ein. Hier hat das spezifisch Handwerkliche eine wichtige Funktion: Sinnes- und Willensschulung, Urteils- und Fantasiekräfte der Schüler entfalten sich. Der junge Mensch verfolgt eine als sinnvoll erlebte Aufgabe, erkundet offen seine Möglichkeiten, ohne Angst vor den Fehlern, verknüpft erworbene Kompetenzen mit selbst verantwortetem Handeln und entdeckt dabei seine Begabungen und künstlerischen Fähigkeiten. Sie erschließen ihm ein sinnvolles Verhältnis zur Wirklichkeit.

Neben den geschilderten Begabungsdifferenzen tritt in der Oberstufe auch eine Differenzierung hinsichtlich der beruflichen Möglichkeiten in Erscheinung: Neigt der Schüler mehr zu den praktischen Berufen (Handwerk – Technik – Handel – Sozialarbeit u. ä.) oder mehr zu einer akademischen Ausbildung?

Bei der Einführung des praktisch-künstlerischen Zuges waren folgende Punkte wichtig und wert besonders angeschaut zu werden.

Voraus zwei Zitate aus Aufsätzen Rudolf Steiners über " Freie Schule und Dreigliederung" und " Die pädagogischen Grundlagen der Waldorfschule". Sie sagen am besten, worauf unsere Bestrebungen gerichtet sind:

Gefragt werden soll: was ist im Menschen veranlagt und was kann in ihm entwickelt werden? Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte aus der heranwachsenden Generation zuzuführen. Dann wird in dieser Ordnung immer das leben, was die in sie eintretenden Vollmenschen aus ihr machen; nicht aber wird aus der heranwachsenden Generation das gemacht werden, was die bestehende soziale Organisation aus ihr machen will.

"Was die Praxis des Gegenwartslebens von dem Menschen verlangt, es muss in den Einrichtungen dieser Schule sich widerspiegeln. Was als beherrschender Geist in diesem Leben wirken soll, es muss durch Erziehung und Unterricht in den Kindern angeregt werden".

Die Lehrerschaft der freien Waldorfschulen stellt sich immer wieder die Frage: "Inwieweit entsprechen Unterrichtsmethode und Lehrplan den Forderungen, die sich aus den Entwicklungstendenzen der Jugend ergeben, und inwiefern spiegelt sich dass, was die Praxis des Gegenwartslebens fordert, in den Einrichtungen der Schule"?

Im Jahre 1970 hat sich das Freiburger Lehrerkollegium viele Monate mit diesem Fragenkomplex beschäftigt. Dabei ergab sich, dass der Lehrplan für die Unter - und Mittelstufe (Klasse 1 - 8) den menschenkundlichen Erfor-dernissen des zweiten Lebensjahrsiebt zu entsprechen vermag. Für die Gestaltung der Oberstufe (Klasse 9 - 12) hingegen ergaben sich durchaus Ansatzpunkte für eine neue Orientierung.

Ab der 9. Klasse durchlaufen etwa 12–14 Schüler, also rund ein Drittel der Klasse, diesen Praktisch-künstlerischen Zug. Durch diese Erweiterung des Schulprofils wird die besondere Situation derjenigen Schüler berücksichtigt, die nach ihrer Begabung und ihren Interessen zu einem praktischen Beruf tendieren. Dabei bleiben die Schüler, die vom Klassenkollegium für diesen Zug vorgeschlagen werden, in den Klassenverband integriert. In den zusätzlichen Wochenstunden werden sie in der Schreinerei und der Metallwerkstatt, aber auch im Kochen, Weben und in der Aufbaukeramik unterrichtet. Außerdem erhalten sie fachtheoretischen Unterricht parallel zu den handwerklichen Epochen und werden im Fach „Technisches Zeichnen" unterwiesen.

Die handwerklichen Epochen der Schüler des praktisch-künstlerischen Zuges vertiefen ihre Kenntnisse durch zusätzlichen Unterricht in den Klassen 9 bis 11. Schon in der 11. Klasse beschäftigen sich einige Schüler zum Abschluss des praktisch-künstlerischen Zuges mit ihrer fachpraktischen Jahresarbeit, die vom Entwurf bis zur Ausführung selbstständig angefertigt und in der 12. Klasse vorgestellt wird.

Durch die Teilnahme an den handwerklich-künstlerischen Epochen in den Klassen 9 bis 12, den Vertiefungsepochen in der Schreinerei, Metallwerkstatt, Kochen, Weben und Aufbaukeramik (Unterricht im PKZ pro Woche 4 Stunden), den verschiedenen Praktikas, wie Landbau,- Handwerk- und Sozialpraktikum, aber auch das Feldmessen und die Klassenspiele,ereichen die Schüler des praktisch-künstlerischen Zuges die 1300 Stunden Fachunterricht, die notwendige Voraussetzung für diejenigen sind, die an der fachpraktischen Prüfung für die Fachhochschulreife teilnehmen wollen.

Auch die Schüler, die den praktisch-künstlerischen Zug nicht durchlaufen haben, bekommen die Zulassung zur fachpraktischen Prüfung für die Fachhochschulreife.Voraussetzung sind,  wie oben bereits aufgeführt, die Teilnahme an den handwerklich-künstlerischen Epochen in den Klassen 9 - 12 ( 5 Wochenstunden ),  ein zusätzliches Praktikum von 3 Wochen und eine Facharbeit während der Prüfungsvorbereitung  (Facharbeit: Intensivwoche in der Schreinerei zur Erstellung eines Kleinmöbels).

Nach bestandener Prüfung im schulischen und fachpraktischen Teil bekommen die  Schüler das Zeugnis der Fachhochschulreife im Bereich Holzbearbeitung, nachdem Sie im Anschluss an die Waldorfschulzeit, als Ergänzung zum Unterricht, ein Praktikumsjahr in einer außerschulischen Einrichtung absolviert haben. Danach ist dann das Studium an allen Fachhochschulen des Landes Baden-Württemberg möglich, nach Rücksprache eventuell auch außerhalb unseres Bundeslandes.

Das Angebot, an unserer Schule mit dem Abschluss des praktisch-künstlerischen Zuges die Prüfung zur Fachhochschulreife im Bereich Holzbearbeitung abzulegen, ist nicht ausschließlich für Schüler der Waldorfschule Freiburg-Wiehre möglich. Es können auch externe Waldorfschüler mit den entsprechenden Prüfungsvoraussetzungen diesen besonderen Weg wählen.

Hauptanliegen bei der Einrichtung des praktisch-künstlerischen Zuges war es, latent vorhandene Begabung einerseits zu fördern, aber auch Begabungsunterschiede auszugleichen, damit eine gesunde Entwicklung zu einer in sich gefestigten Persönlichkeit möglich wird.

Neben der Fachhochschulreife stehen den Absolventen des praktisch-künstlerischen Zuges selbstverständlich auch alle anderen staatlichen Abschlüsse offen – einschließlich des Abiturs.


Schulferien / Feiertage

Schuljahr 2021/22

Sommer

29.7.-10.9.21

Kollegiumstage

28. + 29.10.21

Herbst

01.11.-05.11.21

Weihnachten

22.12.21-7.1.22

Winter/Fasnacht

25.02.-04.03.22

Ostern

11.04.-22.04.22

Pfingsten

06.06.-17.06.22

Sommer

28.07.-09.09.22


Nicht schulfreie Samstage:

Basar

27.11.2021

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Adresse

Freie Waldorfschule Freiburg-Wiehre

Schwimmbadstraße 29
D-79100 Freiburg

Telefon 0761. 791 73 - 0
Telefax 0761. 791 73 - 29
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